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#3 Juni 2026. Johanniskraut

#3 Juni 2026. Johanniskraut

+Spurensuche Johanniskraut +Sammeln +DIY+Heilsames +Sinneserfahrungen +Inspirationen


Liebe Pflanzenfreunde.

Wir bewegen uns durch die besondere Zeit der Sommersonnenwende. Die Tage sind lang, die Nächte kurz und voller Licht. Die Natur zeigt sich jetzt in ihrer ganzen Fülle und schenkt uns eine Zeit des Duftes, der Blüten und der Wärme.


Am frühen Morgen begrüßt uns die Wegwarte mit ihren himmelblauen Blüten am Wegesrand und scheint den neuen Tag einzuläuten. Zur Mittagszeit erstrahlt das Johanniskraut in seinem leuchtenden Goldgelb und sammelt die Kraft der Sonne in seinen Blüten. Wenn der Abend langsam hereinzieht, öffnet die Nachtkerze ihre zarten Blüten und begleitet uns in die hellen Sommernächte.


 

 

Auch die Straßen unserer Städte sind erfüllt von einem ganz besonderen Zauber. Der süße Duft der Lindenblüten liegt in der Luft und erinnert uns daran, wie reich die Natur uns gerade beschenkt.


Im Mittelpunkt dieses Newsletters steht das Johanniskraut, eine der bedeutendsten Sonnenpflanzen unserer heimischen Pflanzenwelt. Seit Jahrhunderten wird es geschätzt, gesammelt und verwendet. Seine leuchtenden Blüten begleiten die Zeit um Johanni und laden dazu ein, die Natur mit offenen Augen und allen Sinnen zu erleben.


Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen, Entdecken und Staunen.

Herzlichst,

deine Draußen-Apothekerin

  Fotos©B.Emde, Pexels 


‍Heilpflanze des Monats


Hypericum perforatum 


Foto©B.Emde

‍Familie

Hypericaceae / Johanniskrautgewächse


‍Vorkommen

Trockene, sonnige Wiesen und Hügel, Acker- und Wegränder, Bahndämme und in Waldschlägen


‍Aussehen

  • › 30–80 cm hohe Pflanze
  • › Aufrechter, harter zweikantiger Stängel mit gegenüberliegenden Zweigen. Die Zweige und der Stängel sind mit länglich-eiförmigen und ganzrandigen Blättern besetzt. Die Blätter erscheinen wie durchlöchert.
  • › Die Blüten sind als trugdoldige Blütenstände angeordnet. Jede Einzelblüte hat fünf goldgelbe Blütenblätter mit schwarzen Drüsen am Rand. Die Staubblätter erscheinen als Bündel und bilden eine strahlende Blütenmitte.
  • › Die Frucht ist eine dreifächerige Kapsel, die sich im Spätsommer braun färbt und tausende winzige Samen enthält.

‍Sammelzeit

Zwischen Juni und August. Gesammelt werden die frischen Blütentriebe (Blätter und Blüten) für Tee, die frischen Blütenstände zur Ölherstellung.


‍Inhaltsstoffe

Hypericin, Hyperforin, ätherische Öle, Flavonoide


‍Anwendungsgebiet

  • › Tee bei nervöser Unruhe und depressiver Verstimmung
  • › Ölauszug zum Einreiben bei Schmerzen, Sonnenbrand und wunder Haut 

Zubereitung

2 TL getrocknete Blütentriebe in eine Tasse füllen, mit heißem Wasser übergießen und 5–7 Minuten ziehen lassen. Durch ein Sieb abgießen. 2–3 Mal täglich eine Tasse trinken.


Spurensuche Johanniskraut

Wenn das Licht Wurzeln schlägt

Wer dem Johanniskraut über ein ganzes Jahr hinweg folgt, entdeckt eine Pflanze, die schon lange vor ihrer Blüte von ihrem Wesen erzählt. Es lohnt sich, ihr immer wieder zu begegnen. Am Wegesrand, auf sonnigen Wiesen oder an Böschungen. Denn das Johanniskraut zeigt sich nicht plötzlich, sondern wächst Schritt für Schritt in seine sommerliche Gestalt hinein. Dabei verändern sich die Blätter kaum in ihrer Gestalt und Größe, sondern begleiten das Wachstum in einer perfekten Geometrie bis in den Sommer.


Bereits im zeitigen Frühjahr schiebt es seine ersten kleinen Blättchen aus dem Boden. Noch unscheinbar wirken sie, und doch tragen sie bereits das Geheimnis der erwachsenen Pflanze in sich. Hält man die jungen Blätter gegen das Licht, lassen sich schon die feinen durchscheinenden Punkte erkennen. Es sind kleine Öldrüsen, die wie winzige Fenster im Blatt erscheinen. Genau dieses Bild gab der Pflanze ihren botanischen Namen Hypericum perforatum – das „durchlöcherte Johanniskraut“, dessen Blätter aussehen, als seien sie von feinen Nadeln durchstochen worden.

Im Laufe des Frühjahrs strebt die Pflanze entschlossen nach oben. Fast wirkt sie wie eine grüne Achse, an der rechts und links in schöner Regelmäßigkeit gegenüberliegend, die schmalen Blätter erscheinen. Lange bleibt sie zurückhaltend, konzentriert auf ihr Längenwachstum, als würde sie Kraft sammeln. Wer sie in dieser Zeit beobachtet, erlebt eine bemerkenswerte Ruhe und Klarheit in ihrem Aufbau. Nichts wirkt üppig oder verschwenderisch – alles scheint auf einen besonderen Moment hinzuwachsen.


Rund um Johanni, zur Zeit der Sommersonnenwende Ende Juni, beginnt dieser Moment. Die ersten Knospen erscheinen, und bald öffnen sich die leuchtend gelben Blüten. Wie kleine Sonnen stehen sie über den Wiesen. Fünf goldene Blütenblätter bilden jede einzelne Blüte, leicht schraubig angeordnet mit einem Zentrum aus gebündelten Staubblättern, die wie ein Feuerwerk in die Junisonne ragen. An den Blütenrändern fallen bei genauerem Hinsehen die feinen schwarzen Punkte auf. Es sind kleine Öldrüsen, die den charakteristischen roten Farbstoff enthalten. Zerreibt man die Blüten vorsichtig zwischen den Fingern, färbt sich die Haut violettrot – ein kleines Wunder, das seit Jahrhunderten die Aufmerksamkeit der Menschen auf diese Pflanze lenkt.

Wenn der Sommer langsam dem Herbst weicht, verwandeln sich die Blüten in eine dunkle, dreifache Fruchtkapsel. In ihnen reifen zahlreiche feine Samen heran. Die Kapseln trocknen nach und nach ein, öffnen sich bei trockenem Wetter und entlassen ihren Samen in die Umgebung. Oft bleiben die dunklen Fruchtstände den ganzen Winter über stehen. Dann begegnet uns ein besonders schönes Bild. Die alte Pflanze mit ihren filigranen Samenständen und direkt daneben schon die junge Generation, die erneut ihre ersten fein „perforierten“ Blätter zeigt. So verbindet das Johanniskraut das vergangene und kommende Jahr auf ganz natürliche Weise.

 

 

  Fotos©B.Emde, iStock by Getty Images 


Heilsames

Reich an lichtvollen Pflanzenstoffen

Um die Inhaltsstoffe des Johanniskrauts zu verstehen, genügt es manchmal, sich auf einer sommerlichen Wiese neben diese Lichtpflanze zu knien und genauer hinzusehen. Die goldgelben Blüten wirken zunächst unscheinbar, doch wer sich Zeit nimmt, entdeckt eine kleine Welt voller Geheimnisse. Halte ein Blatt gegen das Licht, und plötzlich erscheinen unzählige helle Punkte, wie winzige Fensterchen. Es sind die durchscheinenden Öldrüsen, die dem Johanniskraut seinen botanischen Namen Hypericum perforatum eingebracht haben. Noch spannender wird es, wenn man die Blüten betrachtet. An ihren Rändern sitzen kleine dunkle Punkte, als hätte jemand sie mit feiner Tinte betupft. Hier verbirgt sich ein Teil jener Inhaltsstoffe, die das Johanniskraut seit Jahrhunderten zu einer geschätzten Heilpflanze machen.


Nimmt man eine Blüte zwischen die Finger und zerreibt sie vorsichtig, zeigt sich ein weiteres faszinierendes Phänomen. Auf der Haut entsteht ein rötlicher Schimmer. Verantwortlich dafür ist das Hypericin, der rote Pflanzenfarbstoff des Johanniskrauts, der in den dunklen Drüsen der Blüten gespeichert wird. Mit einer Lupe lassen sich diese winzigen Speicherorte besonders gut erkennen. Weniger sichtbar, aber ebenso bedeutend, ist das Hyperforin. Es sitzt vor allem in den hellen Öldrüsen der Blüten und Knospen und gilt zusammen mit dem Hypericin heute als einer der wichtigsten Inhaltsstoffe für die stimmungsaufhellenden Eigenschaften der Pflanze. So wird aus einer gewöhnlichen Blüte ein kleines Naturwunder, dessen Wirkstoffe sich dem aufmerksamen Betrachter fast direkt offenbaren.


Zwischen den auffälligen Farbstoffen und Öldrüsen wirken zahlreiche Flavonoide im Hintergrund mit. Das sind Pflanzenstoffe, die zum Schutz und zur Widerstandskraft des Johanniskrauts beitragen und in einem Ölauszug eine wundheilende und entzündungshemmende Wirkung hat. Und wer die Blüten zur Sommersonnenzeit sammelt und in Öl einlegt, kann beobachten, wie sich das Öl nach und nach tiefrot färbt. Aus den sonnengelben Blüten entsteht das traditionelle Johanniskrautöl. Es ist einer dieser seltenen Momente in der Pflanzenheilkunde, in denen man die Kraft einer Heilpflanze nicht nur erahnen, sondern mit den eigenen Augen verfolgen kann. Von der Blüte auf der Wiese bis zum leuchtend roten Öl im Glas.

 

  Fotos©krystianwin, mandalalounge, adege / Pixabay

‍Do it yourself

Johanniskrautöl selbst herstellen

Von Juni bis Juli kannst du die frischen Blüten des Johanniskrauts an einem trockenen, warmen Tag zur Mittagszeit ernten. Du kannst dabei gerne auch einige Blätter mitverwenden.

 

Herstellung

  • Zerkleinere die Blüten und Blätter grob auf einem Brettchen mit einem scharfen Messer. 
  • › Fülle die Mischung anschließend in ein sauberes Glas, bis dieses fast voll ist, und gieße Oliven- oder Mandelöl darüber, sodass alles vollständig bedeckt ist.
  • › Verschließe das Glas gut und stelle es für 10 bis 12 Tage an einen hellen Ort. Mit der Zeit wirst du beobachten, wie sich das Öl rot färbt – ein Zeichen dafür, dass sich die wertvollen Inhaltsstoffe lösen. 
  • › Schüttle das Glas einmal täglich vorsichtig.
  • › Nach 10–12 Tagen 
  •   gießt du das Öl durch ein feines Sieb in ein sauberes, dunkles Glasgefäß. Sollten noch feine Pflanzenteilchen sichtbar sein, filtere das Öl zusätzlich durch ein Leinentuch.
  • › Lass das frisch gefilterte Öl in den ersten Tagen nur mit einem Tuch abgedeckt stehen, damit eventuell enthaltenes Wasser verdunsten kann. Anschließend gut verschließen und kühl sowie dunkel lagern.‍
  •    

Anwendung

Das rote Johanniskrautöl eignet sich zur Pflege bei Prellungen, Muskel- und Nervenschmerzen, Sonnenbrand, leichten 

Verbrennungen sowie gereizter oder wunder Haut. Ich nutze es außerdem gerne für die tägliche Hautpflege.‍

 

Mein Tipp

Ich verwende mein Johanniskrautöl etwa ein Jahr lang und stelle jedes Jahr eine frische Charge her. 

 

Extra Tipp für mehr Duft

Wenn du einen angenehmen Duft hinzufügen möchtest, kannst du auf 50 ml Johanniskrautöl etwa 5 Tropfen ätherisches Öl geben. Besonders gut eignen sich Lavendel-, Rosmarin- oder Orangenöl.

Johanniskraut richtig sammeln und trocknen für Tee 

Ernten

Ernte das voll erblühte Kraut, indem du die ersten 15 cm von den Triebspitzen abwärts abschneidest. Der beste Erntezeitpunkt ist im Juni rund um die Sommersonnenwende sowie im Juli, jeweils zur Mittagszeit an einem trockenen und warmen Tag.

Trocknen

Die Blütentriebe trocknest du im Ganzen in einem Trockennetz siehe FAQ auf meiner Website. Zerkleinere das Kraut erst unmittelbar vor der Zubereitung des Tees. Achte darauf, dass möglichst wenig abgeblühte Blüten mit Samenkapseln dabei sind, denn sie verlängern die Trocknungszeit.

Zubereitung als Tee

2 TL getrocknete Blütentriebe in eine Tasse füllen, mit heißem Wasser übergießen und 5–7 Minuten ziehen lassen. Durch ein Sieb abgießen.

 

Alle Do-it-yourself-Projekte findest du unter: 

www.die-draussen-apotheke.de/do-it-yourself


Sinneserfahrungen

Geruchssinn und Wärmesinn als stille Begleiter des Sommers

Mit den warmen Sommertagen werden unsere Sinne auf besondere Weise angesprochen. Während der Wärmesinn die angenehme Wärme der Sonne auf unserer Haut wahrnimmt, schenkt uns der Geruchssinn die feinen Duftnoten der Jahreszeit. Besonders jetzt entfaltet die blühende Linde ihren unverwechselbaren, honigsüßen Duft und erfüllt die Luft mit einer wohltuenden Leichtigkeit. Düfte können Erinnerungen wecken, Emotionen berühren und uns ganz im Moment ankommen lassen. So verbinden sich Wärme, Duft und die Schönheit der Pflanzen zu einem kleinen Geschenk des Sommers, das uns die Natur mit allen Sinnen erleben lässt.

‍Inspiration

Ein Vorrat aus Sommerlicht

Es gibt diese Abende Ende Juni, an denen ich einfach nicht ins Haus gehen möchte. Die Sonne ist längst tiefer gerückt, und doch liegt noch immer Licht über der Landschaft. 

Als würde der Tag sich weigern zu enden.


Wenn ich dann draußen bin, spüre ich, wie besonders diese Zeit des Jahres ist. Am Meer glitzert das Licht noch lange auf dem Wasser, in den Bergen scheinen die Gipfel die letzten Sonnenstrahlen festzuhalten. 

Aber auch in Wohnvierteln, zwischen Häusern, Gärten und alten Bäumen, geschieht etwas Magisches. 

Alles wird weicher. Goldener. Stiller.


Besonders liebe ich die blaue Stunde. Dieses tiefe Sommerblau, das sich langsam über den Himmel legt, während am Horizont noch ein Hauch von Gold nachklingt. Die Vögel werden leiser, die Luft kühler, und für einen Moment scheint die Zeit langsamer zu fließen.


Oft sitze ich dann einfach da und schaue. 

Als könnte ich das Licht einsammeln. Als könnte ich die Wärme, die Weite und die Leichtigkeit dieser langen Sommertage irgendwo in mir speichern. Für später. 

Für die dunklen Wochen des Jahres, wenn die Tage kurz sind und der Himmel sich nur selten zeigt.


Vielleicht berührt mich deshalb auch das Johanniskraut so sehr. Es blüht genau in dieser Zeit. Als hätte es all das Licht des Sommers in seinen goldenen Blüten eingefangen. 

Jedes Jahr erinnert es mich daran, wie reich diese Tage sind und daran, dass wir ein wenig von ihrem Leuchten in den Winter mitnehmen können.

 

 

 

  Foto©Daniela Prusina

‍ Warnhinweis

Die Inhalte dieses Newsletters dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine medizinische Beratung. Es werden keine Heilversprechen gegeben. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte medizinische Fachperson.

‍Ein Projekt von GESUNDHEIT AKTIV e.V.


Telefon: 030.695 68 72-0

Telefax: 030.695 68 72-29

E-Mail: verein@gesundheit-aktiv.de


Geschäftsführender Vorstand:

Dr. med. Stefan Schmidt-Troschke MBA

USt-IdNr. DE144366563

Amtsgericht Charlottenburg VR 31743


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