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#5 August 2026. Schafgarbe

#5 August 2026. Schafgarbe

+Steckbrief Schafgarbe  +Spurensuche +Heilsames +DIY  +Jahresrhythmen +Kalium   +Inspiration


Liebe Pflanzenfreundin, 
lieber Pflanzenfreund.

Stell dir vor, du bekommst die Aufgabe, eine Pflanze zu konstruieren: Ihre vielen kleinen Blüten sollen aus ganz unterschiedlichen Stellen entspringen und sich dennoch oben zu einer einzigen, fast glatten Ebene zusammenfügen, wie eine große Dolde. Sie soll imposant und standfest sein, der sommerlichen Hitze trotzen und sich auch von Wind und Wetter nicht so leicht umwerfen lassen.


Dann landest du – bei der Schafgarbe.


Wie sie das schafft und welches Geheimnis hinter dieser außergewöhnlichen Gestalt steckt, möchte ich dir in diesem Newsletter zeigen. Komm mit auf die Spurensuche nach einer Hochsommerpflanze, die die Vielfalt in eine erstaunliche Einheit bringt.


Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen, Entdecken und Staunen.

Herzlichst,

deine Draußen-Apothekerin

  Fotos©B.Emde 


‍Heilpflanze des Monats


Achillae millefollium 


Foto©A.Zolotukhina

‍Familie

Asteraceae, Korbblütengewächs


‍Vorkommen

Wiesen und Weiden, Weg- und Ackerränder, Böschungen und trockene Rasen, sonnig bis halbschattig, nährstoffarme, durchlässige Böden, weit verbreitet in Europa


‍Aussehen

Ausdauernde Staude, 30–70 cm hoch, aufrechter, zäher Stängel, fein gefiederte, aromatisch duftende Blätter, kleine weiße bis rosafarbene Blütenköpfchen, dicht zu flachen Blütenschirmen angeordnet, bildet unterirdische Rhizome


‍Sammelzeit

  • › Mai–Juni:
    Blätter; vor und während der Blüte 
  • › Juni–September:
    Blüten zur Vollblüte
  • › Juni–September:
    Kraut zur Blütezeit; die oberirdischen, blühenden Pflanzenteile

‍Inhaltsstoffe

Ätherisches Öl, Proazulene, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, u. a. Kalium


‍Anwendungsgebiete

  • › innerlich: bei leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich; bei vorübergehender Appetitlosigkeit, zur Unterstützung der Verdauung, bei Völlegefühl und Blähungen; als Frauenkraut bei krampfartigen Menstruationsbeschwerden
  • › äußerlich: traditionell zur Unterstützung bei kleinen, oberflächlichen Entzündungen der Haut, für Umschläge, Auflagen und Bäder bei empfindlicher, gereizter Haut. Als Leberwickel bei Verdauungsproblemen, Schlafstörungen und Erschöpfung

‍Schafgarbenblütentee

1–2 TL getrocknete Schafgarbenblüten mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 5–10 min zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Klassisch 2–3 Tassen täglich, am besten zwischen oder zu den Mahlzeiten.


Spurensuche

Die Schafgarbe: zäh und fein zugleich

Wenn ich die Schafgarbe draußen betrachte, fällt mir immer wieder ihre unglaubliche Zähigkeit auf. Man kann sie nicht einfach pflücken. Zieht man an einem Stängel, hat man nicht selten gleich die ganze Pflanze in der Hand. Ihr unterirdisches Rhizom ist fest im Boden verankert und kann weit kriechend neue Triebe hervorbringen. Die Schafgarbe ist eine ausdauernde Pflanze, die auch mit trockenen und eher kargen Standorten gut zurechtkommt.


Und gleichzeitig ist da diese erstaunliche Feinheit. Aus der zunächst bodennahen, sattgrünen Rosette entwickeln sich Blätter, die sich immer weiter verzweigen. Ein Blatt scheint aus vielen kleinen Blättchen zu bestehen, und schaut man noch genauer hin, wiederholt sich dieses Prinzip bis in die kleinsten Abschnitte. Daher auch ihr botanischer Name Achillea millefolium – das „Tausendblatt“.


Dieser Gegensatz zeigt etwas Besonderes. Die Schafgarbe ist fein gegliedert und zugleich außerordentlich widerstandsfähig. Ihre Feinheit bedeutet keine Zerbrechlichkeit. Im Gegenteil: Sie kann sich tief differenzieren und dennoch fest im Leben stehen.


Auch ihr Umgang mit der sommerlichen Trockenheit passt in dieses Bild. Sie gehört zu den Pflanzen, die Sonne und trockene Böden gut vertragen. Während andere Wiesenpflanzen in der Sommerhitze schon schlapp werden oder sich zurückziehen, steht sie oft noch aufrecht und grün da. Dabei besitzt sie oberirdisch eine ungewöhnlich große Oberfläche.

 

Ihre Blätter sind nicht breit und flächig, sondern in unzählige schmale Abschnitte aufgelöst. Dadurch entsteht eine geradezu federartige Gestalt. Man könnte sagen, die Pflanze bringt sehr viel Blattfläche in eine fein gegliederte Form.

Und dann kommt die Blüte.


Auch der Blütenstand der Schafgarbe folgt diesem Prinzip der feinen Gliederung. Auf den ersten Blick erscheint er wie eine einzige flache, weiße Blüte. Bei genauerem Hinsehen entdecken wir jedoch unzählige kleine Blütenköpfchen, die sich dicht an dicht zu einer gemeinsamen Fläche zusammenfügen.


Doch damit sind wir noch nicht am Ende. Jedes dieser kleinen Körbchen ist wiederum aus mehreren Einzelblüten zusammengesetzt. Außen sitzen meist wenige weiße Zungenblüten, im Inneren viele kleine Röhrenblüten. 


Die einzelnen Körbchen sitzen nicht, wie bei einer echten Dolde, alle an einem gemeinsamen Mittelpunkt. Vielmehr entspringen sie einer fein verzweigten, beweglichen Doldenrispe. So entsteht die charakteristische flache, schirmartige Blüte der Schafgarbe.

Wieder begegnen wir hier dem, was uns schon ihr Blatt gezeigt hat: Aus vielen kleinen, fein gegliederten Einzelheiten entsteht eine größere, zusammenhängende Gestalt. Die Schafgarbe vervielfältigt ihre Form – und schafft daraus dennoch eine erstaunlich geschlossene Einheit.


Vielleicht erklärt sich daraus auch etwas von ihrer besonderen Wirkung auf uns, wenn wir sie betrachten. Die Schafgarbe wirkt nicht üppig und massig. Sie wirkt leicht, fein, fast durchlässig – und ist dabei erstaunlich standfest.


Wenn wir die Schafgarbe also durch das Jahr begleiten, können wir eine Pflanze erleben, die immer wieder zwischen Gegensätzen vermittelt: Boden und Höhe, Feinheit und Festigkeit, Vielheit und Einheit, Trockenheit und lebendiges Grün.


Es lohnt sich, bei deiner nächsten Begegnung mit der Schafgarbe nicht nur ihre weißen Blüten zu bewundern. Beuge dich einmal zu ihr hinunter und schaue auf die Blätter. Berühre den Stängel. Versuche ruhig einmal, sie zu pflücken und erlebe, wie fest sie im Boden steht.

Manchmal beginnt die Spurensuche nach dem Wesen einer Heilpflanze genau mit einer eigenen Beobachtung, die uns staunen lässt.

  Fotos©B.Emde, Pexels 

Foto©Pexels

Heilsames

Junge Schafgarbenblätter – 
grüne Kraft am Boden

Noch vor der Blüte liegen die jungen Blätter der Schafgarbe flach am Boden. Sie sind zart, aromatisch und leicht bitter. Beim Zerreiben zeigen sie ihren typischen Duft, beim Probieren eine Mischung aus Bitter- und Gerbstoffen. In der Küche werden sie frisch verwendet – fein geschnitten im Salat, Kräuterquark oder als Würzkraut. Ein frühes, kleines Kraftpaket der Pflanze.

 

Schafgarbenkraut – 
die ganze oberirdische Pflanze

Zur Blütezeit wird die ganze oberirdische Pflanze gesammelt: Blätter, Stängel und Blütenstände. In dieser Kombination wirken ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Flavonoide zusammen. Geschmack und Duft spiegeln diese Vielfalt wider – bitter, herb und aromatisch zugleich. Traditionell wird Schafgarbenkraut bei leichten Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Appetitlosigkeit genutzt.


Schafgarbenblüte – 
feiner Duft und besondere Stoffe

Wer nur die Blütenstände sammelt, erhält eine eigene Arzneidroge. Die kleinen Blüten duften nach ätherischen Ölen und enthalten Proazulene, Flavonoide und weitere Wirkstoffe. Bei der Verarbeitung beispielsweise durch Destillation können daraus Azulene entstehen, die teils für die typische Blaufärbung verantwortlich sind. Auch die Blüte wird traditionell bei Verdauungsbeschwerden und zur Appetitanregung eingesetzt.

‍So wird beim Sammeln ein kleiner, aber wichtiger Unterschied sichtbar: Schneiden wir die blühenden Triebspitzen mit Blättern und Stängel ab, ernten wir Schafgarbenkraut. Sammeln wir gezielt nur die Blütenstände, gewinnen wir Schafgarbenblüte. Und wer schon vor der Blüte die jungen Blätter entdeckt, begegnet noch einmal einer ganz anderen Seite dieser erstaunlich vielseitigen Pflanze.

 

Kalium

Das Mineral der Standhaftigkeit?

Schafgarbe ist auffallend reich an Kalium. Das Arzneibuch weist in der Asche der Droge einen besonders hohen Kaliumanteil aus. 


Für die Pflanze ist Kalium ein wichtiger Regulator des Wasserhaushalts. Es hilft, den Zellinnendruck aufrechtzuerhalten und über die Spaltöffnungen die Wasserabgabe zu regulieren. Gerade bei Trockenheit kann diese Fähigkeit entscheidend sein: Kalium unterstützt Pflanzen dabei, Wasser in ihren Zellen zu halten und ihre Funktionen auch unter Wasserstress aufrechtzuerhalten.

 

Damit bekommt das unscheinbare Mineral eine ganz neue Bedeutung. Wenn wir die Schafgarbe draußen betrachten, sehen wir eine Pflanze, die sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Sie wächst auf mageren Böden, hält Sonne und Trockenheit aus und richtet sich immer wieder auf. Ob wir darin eine Verbindung zu ihrem besonderen Kaliumhaushalt sehen dürfen? Die Pflanzenphysiologie gibt uns zumindest einen interessanten Hinweis darauf.

  Fotos©iStock by Getty Images

‍Do it yourself

Wenn Heilpflanzen miteinander ins Gespräch kommen

Schafgarbe findet sich in zahlreichen Teemischungen und verbindet sich dabei mit anderen Pflanzen zu ganz unterschiedlichen Kompositionen.

 

Schafgarbe & Kamille

Schafgarbe und Kamille sind ein klassisches Paar für die Verdauung. Beide Pflanzen werden traditionell bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt, bringen aber jeweils ihren eigenen Charakter mit. Die aromatische Kamille und die herb-bittere Schafgarbe. Alkoholische Auszüge als Tinktur aus Kamille und Schafgarbe werden äußerlich zur Behandlung von Hautentzündungen eingesetzt.

 

Schafgarbe & Frauenmantel

Schafgarbe und Frauenmantel begegnen uns besonders in traditionellen Frauenkräutermischungen. Beide Pflanzen haben einen besonderen Stellenwert in der Pflanzenheilkunde rund um den weiblichen Zyklus und werden bei Menstruationsbeschwerden, prämenstruellem Syndrom und bei starker Blutung eingesetzt.

 

Bitterstoffpflanzen & Schafgarbe 

Auch mit anderen Bitterstoffpflanzen lässt sich Schafgarbe verbinden. Etwa mit Tausendgüldenkraut, Löwenzahn oder Wermut. Der bittere Geschmack ist dabei nicht nur eine Geschmacksfrage: Bitterstoffe können über Bitterstoffrezeptoren die Verdauungsvorgänge anregen. 

Rezept Tipp für Frauentee bei Menstruationsbeschwerden

15 g Schafgarbenkraut, 15 g Frauenmantelblätter,
15 g Kamillenblüten, 15 g Melissenblätter 

1–2 Teelöffel pro Tasse mit kochendem Wasser überbrühen, abdecken und 

10 Minuten ziehen lassen. Nach dem Abseihen schluckweise 1–3 Tassen täglich trinken. Wirkt krampflösend und wohltuend.

Wohltuende Wärme für die Leber:
der Schafgarben-Leberwickel

Die Leber ist ein ausgesprochen gut durchblutetes Organ und arbeitet unermüdlich für unseren Stoffwechsel. Ein warmer Leberwickel schenkt dem rechten Oberbauch Wärme und Ruhe. Die feuchte Wärme kann die Durchblutung anregen und unterstützt zugleich das Loslassen und Entspannen. Bei einem Schafgarbenwickel kommt die besondere Qualität der Schafgarbe hinzu. 

 

So geht’s:

1. Für den Wickel wird zunächst ein kräftiger Aufguss aus Schafgarbenblüten bereitet. 

2. Ein Baumwolltuch darin tränken, gut auswringen und angenehm warm auf den rechten Oberbauch unterhalb des Rippenbogens legen. 

3. Darüber ein Zwischentuch legen, den Wickel mit einem Tuch befestigen und eine Wärmflasche an der rechten Seite anlegen. Sofort sich warm zudecken. 

4. Etwa 30 Minuten in Ruhe liegen, den Wickel entfernen und anschließend noch einmal nachruhen.

 

 Eine ausführliche Anleitung für den Schafgarben-Leberwickel findet sich im 

Pflege-Vademecum – Äußere Anwendungen in der Anthroposophischen Pflege. 

https://vademecum.care/anwendungen/schafgarben-leberwickel/


Bei anhaltenden Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.  

Bei einer Allergie gegen Korbblütler sollte Schafgarbe nicht angewendet werden!

 Alle Do-it-yourself-Projekte findest auf meinem Blog:  

www.die-draussen-apotheke.de/blog


Jahresrhythmen

Spätsommer – die Zeit der hohen Frauen

Mit Mariä Himmelfahrt am 15. August, dem Hohen oder Großen Frauentag, beginnt eine besondere Zeit des Kräutersammelns: der Frauendreißiger, der traditionell bis zum 8. September, dem Kleinen Frauentag, reicht. Den Kräutern wurde in diesen Wochen eine besondere Kraft zugesprochen. Und tatsächlich ist der Spätsommer für viele Pflanzen die letzte günstige Zeit, um ihre Schätze für den Winter zu bergen. Vielleicht ist es auch deshalb eine schöne Zeit, all jener Frauen zu gedenken, die über Generationen ihr Wissen um Pflanzen, Heilung und die Rhythmen der Natur bewahrt haben. Hoch leben die Frauen – und hoch die Kräuter, die sie uns hinterlassen haben.

‍Persönliche Inspiration

Das Blau, das aus 
dem Weiß kommt

Ich erinnere mich gut an den Moment, als ich Schafgarbe zum ersten Mal selbst destilliert habe.

Der Blick in den Kolben. Das leise Tropfen des Destillats. Pflanzenwasser, klar und duftend – und dann, ganz allmählich, erscheint auf seiner Oberfläche ein zarter blauer Schimmer.


Blau.


Aus einer weißen Blüte.


Es ist einer dieser Momente, in denen man beginnt, die Destillation nicht nur als handwerklichen Vorgang zu betrachten. Etwas geschieht mit der Pflanze. Wärme, Wasser und Dampf setzen einen Prozess in Gang. Duft und Farbe lösen sich aus dem Pflanzengewebe, wandern mit dem Dampf und sammeln sich schließlich wieder im Wasser.


Fast könnte man von einem alchemistischen Vorgang sprechen: Aus dem Verborgenen wird etwas sichtbar.


Das dabei gewonnene tiefblaue ätherische Schafgarbenöl ist ein geschätzter Bestandteil der Aromatherapie. Es wird traditionell vor allem wegen seiner beruhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften eingesetzt, insbesondere in der Pflege empfindlicher und gereizter Haut.

  Foto©B.Emde, Unsplash

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USt-IdNr. DE144366563

Amtsgericht Charlottenburg VR 31743


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